Geruchsimmissionen


Von besonderer Bedeutung für die Planung von Klärschlammbehandlungsanlagen ist die Sorge vor Beeinträchtigungen durch Gerüche.

Um Geruchsbelästigungen weitestgehend zu vermeiden, werden die Klärschlämme in einer durch das Hallengebäude vollständig eingehausten Anlage behandelt und die Abluft durch eine zweistufige Abluftwäsche so gereinigt, dass auch Geruchsbelastungen vermieden werden. Geruchsemissionen durch unvermeidliche Öffnungen der Rolltore bei der Anlieferung von Klärschlämmen werden dadurch vermieden, dass die Luft im Annahmebunker abgesaugt wird. Der dadurch entstehende Unterdruck führt dazu, dass möglichst wenig der geruchsbelasteten Innenluft entweichen kann.

Hinzu kommt, dass die Anlage von benachbarten Wohnbebauungen in Warza und Bufleben weit entfernt ist und die bestehenden offenen Kompostierungsanlagen zurückgebaut werden. Es sind deshalb keine erheblichen zusätzlichen Geruchsbelästigungen zu erwarten. Die gesetzlichen Anforderungen werden unterschritten.

Die Geruchsemissionen der geplanten Anlage wurden in einer Immissionsprognose durch einen Sachverständigen bewertet. Die Ergebnisse werden im Umweltbericht (S. 23 ff. des Vorentwurfs der Begründung des vorhabenbezogenen Bebauungsplans) wie folgt zusammengefasst:
Geruchsimmissionen:

„Für Geruch wurden Ausbreitungsberechnungen durchgeführt, um die Zusatzbelastung durch die einzelnen Kamine sowie die Gesamtanlage im Planzustand zu bestimmen.“ (IfU GmbH 2020, S. 40)
„Aus den Ergebnisbildern zu den einzelnen Kaminen ist zu erkennen, dass jeder Kamin für sich auf keiner Beurteilungsfläche eine Geruchsbelastung von mehr als 0,06 (6 % der Jahresstunden) hervorruft. Damit ist die Kaminhöhe für jeden einzelnen Kamin nach Nr. 2 GIRL hinreichend bemessen.

Die Zusatzbelastung der Gesamtanlage überschreitet an keinem der betrachteten Immissionsorte den Wert von 0,02 (2 % der Jahresstunden). Damit ist von einer irrelevanten Zusatzbelastung auszugehen, welche die vorhandene Belastungssituation nicht maßgeblich beeinflusst. Das Entstehen einer erheblichen Geruchsbelästigung infolge des geplanten Anlagenbetriebes ist demnach aus gutachterlicher Sicht nicht zu erwarten.“ (IfU GmbH 2020, S. 55)

Verkehrskonzept


Die Bewältigung des Verkehrs ist eine besondere Herausforderung des Vorhabens. Dafür wurde ein gesondertes Verkehrsgutachten erstellt.

Verkehrszahlen:
Die Anlieferung der Klärschlämme und die Abfuhr der Phosphatmengen bedingt LKW-Verkehr. Aktuell geht der Vorhabenträger von 30 Hin- und 30 Rückfahrten von LKWs werktags in der Zeit von 7:00 bis 17:00 Uhr aus. Zusätzlich ist mit dem PKW-Verkehr der ca. 18 Arbeitnehmer:innen, also insgesamt weniger als 100 Fahrten täglich auszugehen. Im Vergleich dazu: Die Bestandsbelastung auf der Bundesstraße B 247 beträgt ca. 7.000 Fahrzeuge pro Tag, davon ca. 760 Fahrzeuge des Schwerverkehrs.

Für die Kreisstraße K 4 zwischen Warza und Bufleben schätzte der Verkehrsgutachter das Verkehrsaufkommen auf einen Bereich zwischen 2.500 und 4.500 Kfz pro Tag. Damit sind nach dem einschlägigen Handbuch für die Bemessung von Straßenverkehrsanlagen noch wesentliche Kapazitätsreserven vorhanden, so dass auch die Zusatzverkehrsaufkommen der geplanten Klärschlammtrocknungs- und Verbrennungsanlage auf der bestehenden Straßeninfrastruktur leistungsfähig abgewickelt werden können.

Erschließungsvarianten:
Im Vorfeld der Planung wurden im Wesentlichen zwei Erschließungsvarianten geprüft:
  • Variante 1: Erschließung über die bestehende Kreisstraße K 4,
  • Variante 2: Erschließung über eine neu zu errichtende südliche Direktanbindung an die B 247.

Das Verkehrsgutachten ergab, dass die Erschließung über die Kreisstraße K 4 aus verkehrsplanerischer Sicht vorzuziehen ist. Die Kreisstraße ist zur Aufnahme des erwarteten zusätzlichen Verkehrs geeignet. Ihre Nutzung erfordert keine zusätzlichen Flächeninanspruchnahmen und damit keine zusätzlichen Eingriffe in Natur und Landschaft.

Lärmprognosen:
Im Rahmen eines Schalltechnischen Gutachtens wurden die Lärmbelastungen durch die vorhabenbedingten zusätzlichen Lkw-Fahrten geprüft. Als maßgebliche Immissionsorte wurden Wohngebäude am Bahnhof Bufleben und an der Bufleber Straße betrachtet. Die Prüfung ergab, dass die Immissionsgrenzwerte der Verkehrslärmschutzverordnung deutlich unterschritten werden.

Sonstige Umweltauswirkungen


Von der Anlage dürfen keine sonstigen schädlichen Umweltauswirkungen ausgehen. Deshalb sind weiträumige Untersuchungen und umfangreiche Schutzmaßnahmen vorgesehen.

Anlagenlärm:
Die Anlage wird auch Lärm verursachen. Die Grenzwerte für das Industriegebiet mit angrenzendem Mischgebiet werden eingehalten.
Zur Ermittlung der Auswirkungen des Vorhabens wurde ein “Schalltechnisches Gutachten” (M. Harnisch – Stand: 28.08.2020) erstellt.

Gegenstand dieses Gutachtens ist die rechnerische Ermittlung der Schallabstrahlung der maßgeblichen Schallquellen mit
  • Schallabstrahlung der Hallen
  • Schallabstrahlung stationärer Schallquellen der Anlage (Silos, Kamine u.a.)
  • Anlieferverkehr und Auslieferverkehr auf dem Betriebsgelände
jeweils tags und nachts sowie die Ermittlung der Schallimmissionen hieraus an den maßgeblichen Immissionsorten mit Beurteilung der schalltechnischen Situation.

Im Ergebnis der Schalltechnischen Untersuchung werden im vorhabenbezogenen Bebauungsplan bzw. im Durchführungsvertrag folgende Maßnahmen festgesetzt, um die Anforderungen an den Schallschutz zu erfüllen:
1. Die Innenschallpegel in den Hallen sind auf 85 dB(A) zu begrenzen.
2. Die vorgesehenen Abluftkamine dürfen folgende Schallleistungspegel der Kaminöffnung nicht überschreiten:
  • Kamin Halle 2 (Trocknung), Höhe: 34 m, LWA = 96 dB(A)
  • Kamin Halle 3 (Verbrennung), Höhe: 34 m, LWA = 96 dB(A)
  • Kamin Halle 4 (Düngemittel), Höhe: 30 m, LWA = 90 dB(A)
3. Der Schallleistungspegel der Zuluftöffnungen über Dach (2 Stück auf Halle 2 Trocknung) darf einen Wert von LWA = 90 dB(A) Schallleistungspegel je Zuluftöffnung nicht überschreiten.
4. Die bewerteten Schalldämmmaße der Baukonstruktion der Hallen dürfen folgende Werte nicht unterschreiten:
  • Hallenwände: R‘W = 26 dB bewertetes Schalldämmmaß
  • Hallendächer: R‘W = 26 dB bewertetes Schalldämmmaß
  • Fenster: R‘W = 25 dB bewertetes Schalldämmmaß
  • Tore: R‘W = 20 dB bewertetes Schalldämmmaß
5. Nachts findet kein Fahr- und Ladebetrieb statt.


Luftschadstoffe:
Für das geplante Vorhaben wurde hinsichtlich der betriebsbedingten Auswirkungen eine Immissionsprognose für Geruch, Ammoniak, Stickoxide, Schwebstaub, Schwefeldioxid und Schwefelwasserstoff auf die Immissionsorte Warza, Bebauung Haltepunkt Bufleben, Pfullendorf und Bufleben erstellt (IfU GmbH 2020). Von besonderer Relevanz für das Schutzgut Mensch sind dabei neben den Gerüchen die zu erwartenden Beeinträchtigungen durch Stickoxide, Stäube, Schwefeldioxid und Schwefelwasserstoffe. Nachfolgend werden die Einschätzungen der vorhabensbedingten Auswirkungen durch Emissionen wiedergegeben. Details können dem Gutachten zur Immissionsprognose entnommen werden.

Stickoxidimmissionen:
Die ermittelten Stickoxidemissionen der Anlage unterschreiten den Schwellenwert für einen Bagatellmassenstrom nach Nr. 4.6.1.1 TA Luft für gefasste Emissionsquellen. Daher konnte auf eine Ermittlung der Immissionskenngrößen für Stickoxidimmissionen verzichtet werden. Die zu erwartenden Stickoxidimmissionen sind augenscheinlich so gering, dass ein relevanter Einfluss auf die bestehende Belastungssituation nicht gegeben ist (IfU GmbH 2020, S. 56).

Staubimmissionen:
An den maßgeblichen Immissionsorten werden für die Zusatzbelastung der Anlage die folgenden Mittelwerte der Schwebstaubkonzentration und des Staubniederschlages prognostiziert:

Immissionsort Schwebstaubkonzentration µg/m³ Staupdeposition g/(m² s)
Bebauung Haltepunkt Bufleben ≤ 0,1 ≤ 0,0001
Bebauung Ortschaft Warza 0,0 0,0000
Bebauung Ortschaft Pfullendorf 0,0 0,0000
Bebauung Ortschaft Bufleben 0,0 0,0000

Die Jahresmittelwerte der Schwebstaubkonzentration und Staubdeposition halten an allen umliegenden Immissionsorten die Irrelevanzwerte der TA Luft von 1,2 µg/m² und 0,0105 g/(m² d) ein. Der geplante Anlagenbetrieb ist damit nicht geeignet, die bestehende Belastungssituation relevant zu verändern. Die Ermittlung einer Gesamtbelastung kann somit entfallen (IfU GmbH 2020, S. 56).

Schwefeldioxidimmissionen:
Die ermittelten Schwefeldioxidemissionen der Anlage unterschreiten den Schwellenwert für einen Bagatellmassenstrom nach Nr. 4.6.1.1 TA Luft für gefasste Emissionsquellen. Daher konnte auf eine Ermittlung der Immissionskenngrößen für Schwefeldioxidimmissionen verzichtet werden. Die zu erwartenden Schwefeldioxidimmissionen sind augenscheinlich so gering, dass ein relevanter Einfluss auf die bestehende Belastungssituation nicht gegeben ist (IfU GmbH 2020, S. 56).

Schwefelwasserstoffimmissionen:
An den maßgeblichen Immissionsorten werden für die Zusatzbelastung der Anlage die folgenden Jahresmittelwerte der Schwefelwasserstoffkonzentration prognostiziert:

Immissionsorte Schwefelwasserstoffkonzentration µg/m³
Bebauung Haltepunkt Bufleben ≤ 0,019
Bebauung Ortschaft Warza ≤ 0,003
Bebauung Ortschaft Pfullendorf ≤ 0,009
Bebauung Ortschaft Bufleben ≤ 0,013
Für Schwefelwasserstoff gibt die TA Luft keine Immissions- oder Grenzwerte an. Die Unbedenklichkeit des Vorhabens kann vorliegend bereits durch die Einhaltung der emissionsseitigen Vorgaben für den Schadstoff ausgewiesen werden. Eine Festlegung von Immissionswerten sowie eine Beurteilung der Schwefelwasserstoffimmissionen obliegen der zuständigen Genehmigungsbehörde (IfU GmbH 2020, S. 56/57).

Brandschutz:
Die Einhaltung der Anforderungen an den Brandschutz wird im immissionsschutzrechtlichen Genehmigungsverfahren geprüft. Dafür wird ein gesondertes Gutachten erstellt, sobald die Planungen im Detail ausgearbeitet sind. Im Verfahren über den vorhabenbezogenen Bebauungsplan muss der Brandschutz noch nicht geprüft werden.

Grundwasserschutz:
Baubedingte Auswirkungen könnten durch Eintrag von Treibstoffen und Schmiermitteln aus den temporär eingesetzten Fahrzeugen und Baumaschinen in das Grundwasser auftreten. Solche baubedingten Stoffeinträge in das Grundwasser sind durch einen sachgemäßen Umgang mit und einer sachgemäßen Lagerung wassergefährdender Stoffe sowie der Beachtung einschlägiger Sicherheitsbestimmungen, Gesetze und Richtlinien zum Grundwasserschutz vermeidbar. Deshalb ist eine erhebliche baubedingte Beeinträchtigung auszuschließen.

Anlagebedingt anfallendes Oberflächenwasser wird versickert bzw. einem Regenrückhaltebecken zugeführt. Die Entwässerung der innerbetrieblichen Fahrwege/Umfahrung erfolgt über Rigolen. Die Entwässerung des Anlieferbereiches Klärschlamm vor dem Klärschlammbunker wird über einen Schrägklärer vorgereinigt und anschließend versickert. Die Abwasserbehandlung ist nach dem aktuellen Stand der Technik vorzunehmen. Die Auswirkungen auf die Grundwasserneubildung infolge von Flächenversiegelungen sind punktuell und entsprechen in etwa dem Bestand. Insgesamt sind keine relevanten anlagebedingten Beeinträchtigungen auf das Grundwasser zu prognostizieren.

Hinsichtlich der betriebsbedingten Auswirkungen ist die Abwasserentsorgung von Sanitärabwasser und sulfathaltigem Prozessabwasser zu betrachten. Die Sanitärabwässer werden über eine vollbiologische Kläranlage nach dem Stand der Technik gereinigt und anschließend versickert. Die sulfathaltigen Prozessabwässer aus der Klärschlammtrocknung werden für die Düngemittelproduktion verwendet. Zusammenfassend sind keine erheblichen betriebsbedingten Auswirkungen auf das Grundwasser zu konstatieren.

Im Rahmen der Detailplanung, die im immissionsschutzrechtlichen Genehmigungsverfahren geprüft werden wird, wird ferner sichergestellt, dass die dem Grundwasserschutz dienenden Anforderungen der Verordnung über den Umgang mit wassergefährdenden Stoffen (AwSV) und der Löschwasserrichtlinie eingehalten werden.

Altlasten
Das Betriebsgelände befindet sich auf einem Altstandort (Altlastenverdachtsfläche). Der Altstandort wird im Thüringer Altlasteninformationssystem (THALIS) unter der Kennziffer 04607 geführt. Der Standort wurde zwischen 1970-1990 durch ein Betonwerk des VEB Baustoffkombinates genutzt. Er befindet sich im Bereich pleistozäner Lößlehmablagerungen. Die Pressen zur Herstellung von Betonformsteinen sowie von Gehwegplatten wurden mit Hydrauliköl betrieben. Es gab ein Fasslager für Hydrauliköl. Kontaminationen in diesem Bereich sind nicht auszuschließen. Nach 1990 bis 2006 wurden auf der Fläche weiterhin Betonfertigteile produziert, wobei ebenfalls Schalöle verwendet wurden.

Diese Informationen werden im Umweltbericht (S. 23 ff. des Vorentwurfs der Begründung des vorhabenbezogenen Bebauungsplans) und bei der weiteren Planung und Umsetzung der Baumaßnahmen berücksichtigt.

Flächeninanspruchnahme
Im Bestand sind etwa 69,1 % (= 33.030 m²) der vorhandenen Flächen innerhalb des 47.796 m² großen Geltungsbereiches anthropogen erheblich überprägt (Gebäude, Mauer, Verkehrsflächen, Regenauffangbecken, Lagerflächen). Mit der Neuordnung des Betriebsgeländes durch den Neubau des Gebäudekomplexes (Industriegebiet, überbaubar), der Verkehrsflächen (Industriegebiet, nicht überbaubar) und des Regenrückhaltebeckens werden künftig 52,5 % (= 25.070 m²) versiegelte Flächen entstehen sowie 14,5 % (= 6.963 m²) vorhandene versiegelte/veränderte Flächen (Gebäude, Mauer, Straße, Parkplatz, sonstige versiegelte Fläche, Lagerfläche) weitergenutzt. Insgesamt umfasst die künftig anthropogen erhebliche veränderte Fläche 67,0 % des Geltungsbereiches und wird um ca. 2 % kleiner als die Bestandsversiegelung sein.

Landschaftsbild
Für die nördlich des Geltungsbereiches gelegene Aue der Nesse, die eine höhere Bedeutung für das Schutzgut Landschaft und die Erholungsnutzung aufweist sowie die bestehenden Blickbeziehungen in Richtung Südwesten zum bewaldeten Kranberg/Kriegberg und zum Schloss Friedensstein in Gotha sind aufgrund der geplanten Gebäude-, Silo- und Schornsteinhöhen und dem Ausräumungsgrad der Landschaft erhebliche Beeinträchtigungen zu erwarten. Diese Beeinträchtigungen werden als Eingriff in Natur und Landschaft bewertet, für die Kompensationsmaßnahmen vorgesehen sind. Durch den Erhalt aller Gehölzstrukturen im Geltungsbereich und der das Betriebsgelände umgebenden Wälle ist eine gewisse Einbindung der Anlage in das Landschaftsbild auch weiterhin gegeben. Durch eine geeignete Fassadengestaltung und/oder -begrünung des Gebäudekomplexes wird die Einbindung der Anlage in das Landschaftsbild verbessert werden.

Naturschutz
Mögliche Auswirkungen des Vorhabens auf geschützte Teile von Natur und Landschaft sowie geschützte Arten wurden im Rahmen der Umweltprüfung geprüft. Im Rahmen einer Eingriffs- und Ausgleichsbilanz wurde ermittelt, welche Eingriffe unvermeidbar sind und wie sie ausgeglichen werden.

Die Ermittlung des erforderlichen Kompensationsumfanges erfolgt über die Auflistung und Bewertung der beanspruchten Biotopflächen im Vergleich zur Planung des vorhabenbezogenen Bebauungsplanes. Dabei wird ermittelt, ob und in welchem Umfang eine Kompensation erforderlich wird. Diese wird dann den ggf. zu planenden Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen gegenübergestellt.