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ie Klärschlammentsorgung ist im Wandel. Die Aufbringung von Klärschlämmen als Dünger in der Landwirtschaft wird zunehmend eingeschränkt, die Verpflichtung zur Wiedergewinnung des Phosphats rückt näher.

 
Umbruch der Klärschlammentsorgung

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Mit den Novellierungen der Düngeverordnung, der Düngemittelverordnung sowie der Neufassung der Abfallklärschlammverordnung (AbfKlärV) 2017 ist die landwirtschaftliche Verwertung von Klärschlamm erheblich zurückgegangen, da diese Änderungen der gesetzlichen Regelung mit einer Einschränkung der bodenbezogenen Klärschlammausbringung verbunden sind.


Daraus resultiert ein erheblicher Anstieg der thermischen Klärschlammverwertung in Deutschland. Die gegenwärtig vorhandenen Kapazitäten reichen bereits jetzt nicht mehr aus. Dieser vorhandene Engpass an thermischen Entsorgungskapazitäten ist am Klärschlammverwertungsmarkt durch eine erhebliche Steigerung der Entsorgungskosten spürbar. Das wird sich zukünftig noch verschärfen. Eine Steigerung der Kapazitäten unter Berücksichtigung der gesetzlichen Pflicht zur Phosphorrückgewinnung ab 2029 ist nur durch den zeitnahen Ausbau der Monoklärschlammverbrennungsanlagen mit anschließender Phosphorrückgewinnung möglich.

Die neue Abfallklärschlammverordnung (AbfKlärV), die am 3. Oktober 2017 in Kraft getreten ist, schränkt die bodenbezogene Verwertung von Klärschlamm nun weiter erheblich ein. Demzufolge kommt es zu einer Verknappung der Verbrennungskapazitäten in Deutschland und der daraus resultierende Anstieg der Verbrennungskosten zwingt uns alle zum Handeln.

In Thüringen werden lediglich 35 % des anfallenden Klärschlamms einer thermischen Verwertung zugeführt. Diese gesamte Klärschlammmenge wird in Mitverbrennungsanlagen entsorgt und der wertvolle Nährstoff Phosphor geht dadurch vollständig verloren. Bisher gibt es im Bundesland Thüringen keine Monoverbrennungskapazitäten.

Die Realisierung eigener Monoverbrennungskapazitäten in Thüringen führt für Kommunen, Unternehmen und Bürger dauerhaft zu kalkulierbaren und stabilen Entsorgungskosten über einen langen Zeitraum. Dieser Leitgedanke entspricht auch der Gründungsidee des Zweckverbandes zur kommunalen Klärschlammverwertung Thüringen KKT. Ziel des Zusammenschlusses ist es, durch die gemeinsame Aufgabenerfüllung der Teilaufgabe Klärschlammbeseitigung die gebührenseitigen Auswirkungen der neuen gesetzlichen Vorgaben so gering wie möglich zu halten, eine langfristig kalkulierbare, wirtschaftliche und auch nachhaltige Strategie zur Umsetzung der Aufgabe zu entwickeln und gemeinsam umzusetzen. Sollte der Bau von neuen regionalen Monoverbrennungsanlagen in Thüringen nicht rechtzeitig erfolgen, müssten die Klärschlammerzeuger ihren Klärschlamm überregional, zu möglicherweise horrenden Preisen entsorgen. Das würde sich zukünftig auch in einem Anstieg der Abwassergebühren bemerkbar machen, die von den Bürgern zu tragen sind
Bedeutung der Phosphatrückgewinnung

accordion-small-1 Die Pflicht zur Phosphorrückgewinnung greift ab den 01.01.2029 für Abwasserbehandlungsanlagen mit einer Ausbaugröße ab 100.000 Einwohnerwerten und ab den 01.01.2032 für Anlagen mit einer Größe ab 50.000 Einwohnerwerten. Mit dieser Neuordnung sind kommunale Abwasseranlagen in Deutschland verpflichtet, den im Klärschlamm enthaltenen Phosphor zurückzugewinnen.

Ziel dabei ist die Erzeugung einer schadstoffarmen und phosphorreichen Asche, die zu einem hochwertigen Düngemittelt aufbereitet wird. Die höchsten Phosphorrückgewinnungsraten bei geleichzeitiger Vernichtung aller Schadstoffe erzielt die Klärschlammmonoverbrennung mit anschließendem Phosphor-Recycling aus den anfallenden Klärschlammaschen. Die Menge des zu entsorgenden Klärschlamms wird durch Trocknung und Verbrennung auf ca. 10 % minimiert. Die schadstoffarme Klärschlammasche stellt einen bedeutenden Phosphorträger dar und ist somit ein wertvoller Ausgangsstoff für die Phosphordüngemittelproduktion. Heute schon existierende Verfahren und Techniken zur Nährstoffrückgewinnung ermöglichen eine vielversprechende sowie effiziente Rückgewinnung von Phosphor aus Klärschlammaschen.

Eine Erzeugung von höherwertigen Phosphatdüngern zu marktüblichen Preisen wird von uns angestrebt und kann einen wesentlichen Beitrag zur Substitution der deutschen Phosphorimporte leisten. Deutschland besitzt keine natürlichen Phosphatvorkommen und ist deshalb vollständig auf Importe angewiesen, wobei die endlichen Rohphosphatreserven sich auf wenige, teilweise politisch instabile Regionen in der Welt begrenzen. Dies führt zu großen Risiken bei der Versorgungssicherheit und unterliegt einer Anfälligkeit gegenüber Preisschwankungen. Ein weiteres Problem stellt die zunehmenden Verunreinigungen der weltweiten Rohphosphate durch Schwermetalle wie Cadmium und Uran dar. Phosphor ist ein nicht substituierbarer und essentieller Baustein in allen Lebewesen und wird vor allem als Dünger für eine ertragreiche Landwirtschaft gebraucht. Die Europäische Union hat bereits im Jahr 2014 Phosphor auf die Liste der kritischen Rohstoffe gesetzt. In Thüringen ist ein sparsamer und effizienter Umgang mit dem Rohstoff Phosphor somit unverzichtbar.
Tätigkeitsfeld der Wiese Umwelt Service GmbH

accordion-small Unser Betrieb Wiese Umwelt Service GmbH wurde 1994 von Ingrid Wiese, gegründet. Es war damals das Anliegen des Thüringer Landesbauernverbandes eine innovative Firma zu gründen, die für die neu entstehenden Kläranlagen bzw. Abwasserzweckverbände eine nachvollziehbare und nachhaltige Verwertung für die Entsorgung der Rückstände aus der kommunalen Abwasserreinigung aufbaut. In den Anfangsjahren unserer Gründungszeit wurde eine Software entwickelt, mit der es möglich war alle Beteiligten in diesem Verwertungskreislauf zu erfassen und eine nachvollziehbare Erstellung der Daten bis hin zur Landesanstalt für Landwirtschaft in Thüringen zu schaffen. Durch die enge Zusammenarbeit mit Kreisbauernverbänden, Agrarbetrieben und regionalen Abwasserverbänden war es uns gelungen erfolgreiche Aufklärungsarbeit über die Funktion einer Kläranlage und den darin entstehen Reststoffen, dem sogenannten Klärschlamm, zu leisten.

Wir haben es geschafft, dem negativen Charakter, der die bodenbezogene Klärschlammverwertung und die damit verbundene Rückführung wichtiger Nährstoffe in unser Ökosystem leider oftmals bei den Bürgern hat, entgegen zu wirken.

Die Wiese Umwelt Service GmbH als zertifizierter Entsorgungsfachbetrieb begleitet seit über 25 Jahren verantwortungsvoll deutschlandweit Kläranlagen bei der Klärschlammverwertung. Das Kerngeschäft der Firma Wiese Umwelt Service GmbH ist die Kompostierung von kommunalen Klärschlämmen für die landwirtschaftliche Verwertung. Bis heute bewirtschaften wir 11 Kompostierungsanlagen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen mit einer gesamten stofflichen Verwertungsmenge von 300.000 Tonnen kommunalem Klärschlamm pro Jahr. Die Firma Wiese Umwelt Service GmbH hat mit 4 Mitarbeitern ihre Arbeit im Bereich der Klärschlammverwertung in Berga gestartet und hat Stand 2021 bereits 50 Mitarbeiter

Schon vor dem Inkrafttreten der Abfallklärschlammverordnung im Oktober 2017 hat sich unser Unternehmen Wiese Umwelt Service GmbH mit dem Thema thermische Klärschlammverwertung beschäftigt. Auf Grund der neuen rechtlichen Anforderungen, bemühen wir uns seit 5 Jahren um die Genehmigung zum Bau von entsprechenden Monoverbrennungs-anlagen an unseren Standorten im Freistaat Thüringen und im Land Sachsen – Anhalt. Mit unseren Investitionen in zukunftsfähige Klärschlammtrocknungs- und Klärschlammverbrennungsanlagen mit Phosphatdüngemittelherstellung an verschiedenen Standorten in Deutschland führen wir unser familiengeführtes Unternehmen in die nächste Generation.

Deshalb sind wir dabei, unsere Planungen zur Umsetzung einer Klärschlammtrocknungs- und Verbrennungsanlage mit Phosphatdüngemittelherstellung an unserem Standort Warza intensiv zu verfolgen. Warza zeigt sich als Standort aufgrund der hervorragenden Lage in Thüringen für eine Monoverbrennungsanlage als besonders geeignet. In Warza betreiben wir seit 1994 zwei Klärschlammkompostierungsanlagen inkl. Zwischenlagerung für ca. 55.000 Tonnen Klärschlamm und wollen hier nun zukünftig Klärschlamm thermisch verwerten

Um den Anforderungen der novellierten Abfallklärschlammverordnung in Thüringen gerecht zu werden, muss eine Rückgewinnung des Wertstoffes Phosphors zwingend erfolgen und der Ausbau der Monoverbrennungen vorangetrieben werden. Entsprechende Maßnahmen zur Klärschlammverwertung und Rückgewinnung von Phosphor gilt es in den nächsten Jahren in Thüringen zielführend zu etablieren. Hierzu möchten wir mit unserem Vorhabens zur nachhaltigen Klärschlammverwertung einen wesentlichen Beitrag leisten.

Durch die Umsetzung unseres Vorhaben kann Thüringen eine bundesweite Vorreiterrolle zur Phosphorrückgewinnung einnehmen.